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AFRICANA

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Tonfigur

27 x 24 cm

 

Sao

Historische Volksgruppe am Tschad-See. Die Kultur der Sao gilt als eine der ältesten Westafrikas, und obwohl umfangreiches archäologisches und ethnohistorisches Material vorliegt, das bis auf die frühen arabischen Schriftsteller zurückgeht, lässt sich wie auch jüngere Forschungen zeigen (Forkl, 1983) ein genaues Bild dieses künstlerisch und städtebaulich bedeutenden Volkes noch nicht ermitteln. Wenn man die C-14-Daten berücksichtigt, die Lebeuf bei seinen Ausgrabungen in diesem Gebiet nachweisen konnte, dann kann man die Sao-Kultur nach Nok als eine der ältesten eisenführenden Kulturen Westafrikas bezeichnen. Repräsentative Zeugnisse erscheinen allerdings erst viel später, nämlich zwischen dem 10. und 16. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung.

Den Legenden nach, die noch heute erzählt werden, waren die Sao ein Volk von mächtigen Riesen, das seinen Ursprung sogar auf Jerusalem glaubte zurückzuführen zu können. Etwa im 7. Jahrhundert besetzten die Sao

die Oasen Bilma, Tadjéré und Fatchi im Norden des Tschad-Sees, um sich gegen das 10. Jahrhundert.westlich des Sees niederzulassen, wo sie das eigentliche Sao-Reich gründeten Nach den neuesten Grabungsergebnissen reichen Sao-Kultureinflüsse südlich bis in die Benue-Region, ins Fali-Siedlungsgebiet, wohin einzelne Sao-Gruppen nach der Zerstörung ihres Reiches im 16. Jahrhundert durch Kanembu/Kanuri versprengt wurden.

Im 13. und 14. Jahrhundert wurden mehrere Kriege mit den Nachbarn, den erwähnten Kanembu/Kanuri, geführt, die – nach dem Geschichtsschreiber der Bornu, Ibn Fartoua – nicht weniger als vier Sultanen von Kanem das Leben kosteten. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts spalteten von aussen geschürte innere Zwistigkeiten das Reich, das dann zu Beginn des 16. Jahrhunderts ständig mit Überfällen zu kämpfen hatte. Die Massa aus dem Osten und schliesslich die Bornutruppen zerstörten in der Folgezeit das, was noch von den Städten übrig geblieben war. Die Sao selbst zerstreuten sich oder vermischten sich vor allem mit den Massa, die heute zur Volksgruppe der Kotoko gerechnet werden, und es entstanden besonders in Nord-Kamerun zahlreiche neue Ethnien.

Die in den letzten Dezennien aus den früher mächtig umwallten Städten zutage geförderten Kunstschätze bestehen vornehmlich aus Grabfunden, die neben oder in den riesigen, als letzte Ruhestatt dienenden Tonurnen entdeckt wurden. Es sind dies Figuren aus fein gebranntem Ton in menschlicher und tierischer Gestalt, mythische Mischwesen von teilweise grosser Ausdruckskraft. Neben Schmuckstücken aus Eisen, Bronze, Glas und Elfenbein wurden im Mündungsgebiet des Schari auch umfangreiche Stadtanlagen und Befestigungswälle entdeckt.

Quelle: Karl-Ferdinand Schaedler «Lexikon Afrikanische Kunst und Kultur» (ISBN 3-7814-0374-2)

© Galerie HILT AG Basel, 2005/tg

 

 


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