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Nativité à la ecureuil

Öl auf Karton

E296     46 x 38 cm

 

 

 

Fleurs imaginaires

Öl auf Karton

E305    61 x 50 cm

 

 

Germain van der Steen (1897-1985)

«Strömt herbei, ihr Leute! Kommt und seht! Van der Steen, der Unverdorbene! Van der Steen, der Ultramoderne! Van der Steen, die kommende lebende Kanone des Kunsthandels!... Ich spotte ? - Aber nein doch! Ich sage es in Worten, wie der Maler seine Bekenntnisse in Farben rezitiert. Er ist ein munterer Bursche und nimmt das Malen gar nicht so ernst wie die Priester der Kunstkatheder - und das ist sein Glück und seine Kunst.» Mit diesen ironisch gebrochenen Worten leitete ein Rezensent 1955 eine Besprechung einer Ausstellung mit Werken von Germain van der Steen in der Basler Woche ein und charakterisierte damit treffend ein zentrales Element von van der Steens Malerei: die Naivität und Unbekümmertheit, mit der der in Paris wohnhafte Aussenseiter mit katzenartigen Fabelwesen, Paradiesvögeln und wild wuchernden Blumenarrangements eine üppige Bilderwelt belebt.

Auch heute wird das Schaffen von van der Steen (1897-1985) der Naiven Kunst zugeordnet, obwohl seine Biographie nicht der eines typischen Naiven entspricht. Van der Steen wächst nicht wie etwa Adolf Dietrich oder Hans Krüsi in armen oder ländlichen Verhältnissen, sondern in einem bürgerlichen Elternhaus in Versailles auf. Bis 1915 besucht er verschiedene Schulen, zuletzt Englischkurse an der Universität in Oxford. Zurück in Frankreich wird er zum Kriegsdienst eingezogen. Bei einem Gasangriff erleidet er schwere Verletzungen, die unheilbare Atembeschwerden hinterlassen. Die Wiedereingliederung des Soldaten van der Steen nach Ende des Kriegs gelingt nur schwer. Eine Lehrerstelle verliert er. Die zwanziger Jahre sind gekennzeichnet durch die Suche nach neuer Orientierung und durch den Kampf ums tägliche Brot. Zeichnen und Malen dienen in dieser Situation als Mittel der Zerstreuung und Flucht aus dem Alltag. 1931 heiratet van der Steen und eröffnet zusammen mit seiner Frau einen kleinen Gemischtwarenladen in Paris. Dies ist der Moment, wo die Malerei zu seiner zentralen Beschäftigung wird. In einem autobiografischen Text aus dem Jahre 1954 erinnert sich van der Steen: «Ich lerne die Frau kennen, die meine Lebensgefährtin wird. Miteinander führen wir einen FarbwarenIaden. Und hier erwacht wahrhaft meine Berufung zum Maler. Zwischen zwei Kunden male ich Aquarelle und verkaufe sie an Liebhaber, die stehen bleiben, um sie zu betrachten. Die Gasvergiftung, die ich mir im Krieg zugezogen habe, verschlimmert sich, nachts erwache ich und glaube zu ersticken. Unfähig zu schlafen, male ich, male ich ununterbrochen.»

Seit Mitte der vierziger Jahre zeigt Germain van der Steen seine Bilder in Ausstellungen. In den fünfziger Jahren wird er vom Kunstkritiker Anatole Jakovsky, der zu den herausragenden Kennern der Aussenseiterkunst zählt, entdeckt und gefördert. Bald folgen zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. Durch Joos Hutter und der Galerie Hilt kam er zu ersten Anerkennungen und Ausstellungen in der Schweiz. Trotz seines Erfolgs als Maler führt er den Farbwarenladen bis ins hohe Alter weiter.

Nach einer ersten naturalistischen Periode entwickelt Germain van der Steen einen visionären Malstil. Er setzt Träume und Phantasievorstellungen in Bilder um oder lässt sich in seinen Arbeiten durch Musik von Mozart bis Debussy inspirieren. «Im bedrückenden Schweigen meiner langen, schlaflosen Nächte setzen sich die Harmonien in meinem Inneren in farbige Rhythmen um. Erinnerungen an schöne Konzerte ... kommen mir wieder in den Sinn und ich drücke sie in farbigen Visionen aus. Sinnverwirrende Schöpfungen drängen sich in mir, über meinem Haupt wogen unaufhörlich endlose Harmonien. Zu jenem Zeitpunkt habe ich gemerkt, dass die wahre Schöpfung des Geistes unter Schmerzen vor sich geht wie das physische Gebären. Meine Werke erblicken das Licht der Welt in einer schmerzhaften geistigen Geburt!»

Kunstwerke

Die Ausdrucksstärke von van der Steens Bildweiten liegt in seiner visionären Einbildungskraft begründet, die seine imaginären und grotesk-beunruhigenden Tiere und Pflanzen zu Orten des Traumes und des Wunders werden lässt. Atemlos und eingeschlossen in einem versehrten Körper erschafft sich der Künstler in seinen Bildern ein eigenes magisches Paradies voller Fabelwesen und Wunderpflanzen.

Van der Steens poetische Einbildungskraft kommt auf unterhaltsame Weise in seinen Briefen zum Ausdruck, in denen er Auskunft gibt über sein Schaffen. Ein Beispiel an den Basler Galeristen Balz Hilt mag die Originalität und Frische dieses Aussenseiters illustrieren:

«Warum ich meine seltsamen, bunten Katzen male? Es ist die Folge eines eigenartigen Traumes, den ich eines Nachts im September hatte.

 

Ich sah mich auf einem Thron sitzen mit einem Mantel aus Katzenfell, heiter leuchtend und funkelnd; es waren Katzenaugen, die auf meinem Mantel glänzten. Auf dem Kopf eine goldene Krone und auf meinen Knien ein grosses Schwert, wie jenes der Statue von Karl dem Grossen im Zürcher Grossmünster.

 

Zu meiner Linken sitzt ein grosser Windhund und zu meiner Rechten ein grosser Hirsch mit einem mächtigen Geweih. Neben dem grossen Hirsch befindet sich eine Kätzin mit weichen Augen und langem, hellem Fell. Auf jeder Seite des Thrones erheben sich zwei Bäume, woran sonderbare Katzen hoch- und andere mit bizarren und faszinierenden Augen herunterklettern. Vor dem Thron sitzen zahlreiche Katzen und andere kommen dazu. Ihre Schwänze bewegen sich leicht in einem langsamen Rhythmus.

 

Alle diese Katzen miauten leise - Miaou, Miaou - vereint in einer zarten und melodiösen Harmonie. Es klang wie eine Bachkantate, und ich verstand ihre Sprache. Oh, unser Kaiser, dass deine Freude bleibe, und dass du uns in allen deinen Bildern malst.

Das ist der Grund, warum ich solche Katzen male, rot wie ein Fisch, rot-blau wie die Nacht, goldgelb wie das Sonnenlicht. Das erklärt auch, warum mich Katzen so anstarren. Sie scheinen mich zu erkennen.»

 

 


Zur Beachtung: es kann sein, dass abgebildete Werke nicht mehr im Angebot erhältlich sind. Aktuelle Angebote auf Anfrage. Besten Dank für Ihr Verständnis.


 

Ausstellungen in der Galerie HILT: div. Einzel- und Gruppenausstellungen 1963, 1965, 1979, 1982, 1984, 1998, 2004

Quelle: Markus Landert; Kunstmuseum des Kantons Thurgau, 4.9.1997

© Copyright Galerie HILT AG, 2004 cr & Kunstmuseum des Kantons Thurgau

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