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Natura Beef in Auslauf-

haltung auf Bio-Alpfragment

Engstlen, 1999

Öl , 46 x 70 cm

 

 

 

 

 

Zwai Nächt dr Grööscht, 2002

Öl, 42 x 56,5 cm

 

 

«Läbkueche-Zukkerwatte-

Marroni-Klöpfer-Zyt», 1998

 

Original Farblithographie

Auflage: 99 Exemplare auf

Zerkall Büttenpapier (300 gr/m2)

Drucker: Steindruckerei Hanke (CH)

 65 x 50 cm

 

 

 

Heiri Strub  (*1916)

 

Geboren und aufgewachsen ist Heiri Strub in Riehen. Bereits 1934, noch nicht zwanzigjährig, wurde er im Jugendkomitee gegen Krieg und Faschismus aktiv. 1944 war er Gründungsmitglied der Partei der Arbeit. Seine aufklärerisch-kritische Haltung floss auch immer wieder in sein Werk ein, das deshalb aber nie pädagogisch-bieder oder gar eindimensional-ideologisch wirkt.

 

Heiri Strub ist weder ein «animal politique» noch ein primär intellektuell Getriebener, sondern ein musischer Mensch, der sich von prägenden Bildern und Geschichten leiten lässt. Seine Kinderbuchillustrationen z.B. zeichnen sich durch Schalk und Humor aus, und seine kritischen Bilder zum eitlen, selbstläufig sich drehenden Kunstbetrieb sind voll von sprühendem Sarkasmus («Schrei an der Wand», «Art Sponsoring oder die Cholera», «Wenn Kies mit Kies verbindet» – mit einem Wortspiel die Kommerzialisierung anprangernd). Heiri Strub gehört zu jener Gattung politisch engagierter Künstler und Künstlerinnen, die in unserer Ära der postmodernen Beliebigkeit beinahe eine Rarität ist.

 

Als der gelangweilte Schüler das Gymnasium verlässt und an die Basler Gewerbeschule wechselt, manifestiert sich schon früh Heiri Strubs künstlerische Absichten. Er belegt dort eine Schreinervorlehre und dann einen Grafikvorkurs. Dann absolviert er in einer Druckerei eine vierjährige Schriftsetzerlehre. In diesen sechs Jahren ist er auch Kunstgeschichteschüler bei Georg Schmidt. Die anschliessende Phase der Arbeitslosigkeit während der Wirtschaftskrise der 30er Jahre nutzt er mit Malen. Dann setzt er die künstlerische Ausbildung an der Gewerbeschule kombiniert in der Grafik- und in der Malklasse fort. Die Ausbildungszeiten sind kurz, denn gleichzeitig ist er Aktivdienstler bei der Flab. In dieser Zeit fällt auch seine Heirat mit Lotti Arnold, seiner lebenslangen Partnerin, die er seit der frühsten Jugendzeit kennt. Sie haben zusammen eine Tochter.

 

Nach der Arbeit in mehreren Druckereien wird er für zwei Jahre Akzidenzsetzer, Grafiker und Linolschneider bei der BDV (Basler Druck- und Verlagsanstalt). 1945 wird Heiri Strub selbständiger Grafiker. Er stellt Plakate, Reklamen und Grafikern her. Zehn Arbeiten werden vom Basler Kunstkredit angekauft. Die Hauptarbeit sind Buchillustrationen und Kinderbücher, auch mit eigenem Text. Im Atelier «nase» entstehen Fasnachtslarven und Texte und Illustrationen finden Eingang in die Fasnachtszeitung «Schorsch Gaggo». Für den Basler Zoo werden 28 Tierlithos vollendet. Die Existenz ist mehr als unsicher. Wie so oft ist auch hier der weibliche Part, Lotti Stub-Arnold, das stabilisierende und stützende Element der Beziehung. Sie sorgt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer zuverlässig für Haushaltgeld – als Konsumverkäuferin, Kinderhortnerin, Handelsreisende mit Strub-Grafiken, Krankenpflegerin, Buchantiquarin, Kellnerin und zuletzt während 10 Jahren als Telefonistin und Bürokraft für alles im Basler Kunstmuseum.

In den 50er Jahren, der Epoche des Kalten Krieges, wird sein politisches Engagement zunehmend schädlich für das berufliche Fortkommen: Heiri Strub bekommt allmählich immer weniger Aufträge. Wenigstens der Spur nach wird das borniert-paranoide politische Klima deutlich, das damals geherrscht haben muss, wenn man Strubs Antwort auf die spätere Interviewfrage hört, warum er 1957 in die Deutsche Demokratische Republik ausgewandert sei:

 

«Weil ich ... hier kein Brot mehr hatte. Aus meinen Fichen ... wissen wir, dass die Bundespolizei, weil ich nichts Ungesetzliches tat, versuchte, uns wirtschaftlich fertig zu machen, indem sie mich bei meinen ... möglichen Auftraggebern anschwärzte... Als Andenken blieben uns zehn Kilo Fichen, etwa 1'700 Blätter: die schlechteste und teuerste Literatur, die in der Schweiz je geschrieben worden ist.»

 

Ist Heiri Strub ob dieser enttäuschenden Erfahrung verbittert geworden? – Nein, im Gegenteil! Zwar ist in seinen jüngsten Werken überhaupt nichts von «Altersmilde» oder gar von übertünchender Harmonie zu spüren, aber der Wille zu einer versöhnenden Geste ist unverkennbar. So jedenfalls kann man das Motiv zu einem originellen Bild («Durst und Vernunft») lesen, das Ritter Georg, sein Pferd und den Drachen gemeinsam am Pisoni-Brunnen trinkend darstellt, oder jenes Werk («Vivace»), das gemeinsam leidenschaftlich Musizierende zeigt, die offensichtlich aus unterschiedlichen Kulturen, sozialen Schichten und Altersklassen stammen. Die Vision einer sich versöhnenden Welt wird als grundsätzlich realisierbar dargestellt – freilich ohne zu übersehen, dass die Chancen dazu vertan werden könnten. Im Bild «Alles nicht so einfach» sieht man z.B. Krokodil und Nilpferd, die sich einander anblicken und sich weiter nichts zu sagen haben, obwohl sie wie selbstverständlich im gemeinsamen Gewässer stehen. Auch im Bild «Pariser Sonntagmorgen» ist eine Situation in einem Bistro auf die Leinwand gebannt, in der Kommunikation nicht wirklich gelingt. Das Bild «Sunntigssenne» schliesslich zeigt Jodler und eine Jodlerin – fernab von jeder idyllisierenden Folklore – , die alle verkniffen für sich alleine zu singen scheinen, anstatt ein Lied wirklich gemeinsam anzustimmen.

 

Trotz dieser gemässigt skeptisch-optimistischen Zukunftssicht hat sich Heiri Strub bis heute nie modeorientiert oder opportunistisch gezeigt. Weder ist er je der epigonalen Abstraktheit der Postmoderne nachgelaufen, noch hat er je aufgehört, die Ungerechtigkeiten und Widersprüche der neoliberal geprägten Welt zu versinnbildlichen. Beispielhaft seien folgende Werke genannt: «Im Absolutismus der Gnome» und «Was ist ein Mensch gegen eine Aktie?» Diese Bilder sind lange Zeit nach der Rückkehr aus der DDR 1971 entstanden. Politisch betätigte er sich dort nicht. Die Ostberliner Zeit war aber vorab künstlerisch fruchtbar. So schuf Heiri Strub Illustrationen zu Kinderbüchern, kreierte zusammen mit einem Fotografen Fotomontagen und gestaltete für die Theater Potsdam und Magdeburg auch Larven zu Brecht und Aristophanes, sowie Bühnenausstattungen, Kostümentwürfe, Plakate (für Volkskunstensembles und für die Babelsberger Filmhochschule), und gestaltete 10 grosse Fotomontage-Ausstellungen von John Heartfield (u.a. auch im Gewerbemuseum Basel).

 

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz betätigt sich Heiri Strub als politisch engagierter Redaktor beim «Vorwärts». Ab 1981 wird das Malen endgültig zur Haupttätigkeit. Er ist dabei stets ein politisch interessierter, gegen den Mainstream schwimmender Künstler geblieben, der sich aber zu keiner Zeit hat «ideologisch» vereinnahmen lassen. D.h., die Kunst ist niemals zum blossen Mittel herabgesunken, um die «korrekte Gesinnung» zu propagieren. Vielmehr bilden die künstlerische Tätigkeit und das politische Engagement eine konkrete, organische Einheit im alltäglichen Leben. Kennzeichnend bleibt auch eine gewisse bauernschlaue, anti-elitäre Grundhaltung. Doch ist der Respekt für das einfache Leben keine Attitüde, mündet nicht in Albert-Anker-Verklärungen und nostalgischen Beschwörungen der guten alten Zeit, sondern äussert sich in Darstellungen realer Widersprüche und Spannungen der heutigen Zeit, die die Menschen wirklich (be-) treffen und die deshalb auch von den sog. «einfachen Leuten» unmittelbar verstanden werden. Doch soll der Kunstgenuss dabei nie auf der Strecke bleiben. Dafür sorgt allein schon Heiri Strubs ganz eigene Art des Witzes und der Ironie.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausstellungen in der Galerie HILT: «Menschen, Landschaften, Basler Bilder», 1994; «Neues und Retrospektives», 1997; «Malerei und Zeichnungen», 1999; «Quer durch die Jahre - die Gesellschaft - die Landschaft», 2002

 

© Copyright Galerie HILT AG, 2001/tr


Zur Beachtung: es kann sein, dass abgebildete Werke nicht mehr im Angebot erhältlich sind. Aktuelle Angebote auf Anfrage. Besten Dank für Ihr Verständnis.


 


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