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Geboren
und aufgewachsen ist Heiri Strub in Riehen. Bereits 1934, noch nicht
zwanzigjährig, wurde er im Jugendkomitee gegen Krieg und Faschismus
aktiv. 1944 war er Gründungsmitglied der Partei der Arbeit. Seine
aufklärerisch-kritische Haltung floss auch immer wieder in sein Werk ein,
das deshalb aber nie pädagogisch-bieder oder gar
eindimensional-ideologisch wirkt.
Heiri
Strub ist weder ein «animal politique» noch ein primär intellektuell
Getriebener, sondern ein musischer Mensch, der sich von prägenden Bildern
und Geschichten leiten lässt. Seine Kinderbuchillustrationen z.B.
zeichnen sich durch Schalk und Humor aus, und seine kritischen Bilder zum
eitlen, selbstläufig sich drehenden Kunstbetrieb sind voll von
sprühendem Sarkasmus («Schrei an der Wand», «Art Sponsoring oder die
Cholera», «Wenn Kies mit Kies verbindet» – mit einem Wortspiel die
Kommerzialisierung anprangernd). Heiri Strub gehört zu jener Gattung
politisch engagierter Künstler und Künstlerinnen, die in unserer Ära
der postmodernen Beliebigkeit beinahe eine Rarität ist. Als
der gelangweilte Schüler das Gymnasium verlässt und an die Basler
Gewerbeschule wechselt, manifestiert sich schon früh Heiri Strubs
künstlerische Absichten. Er belegt dort eine Schreinervorlehre und dann einen
Grafikvorkurs. Dann absolviert er in einer Druckerei eine vierjährige
Schriftsetzerlehre. In diesen sechs Jahren ist er auch Kunstgeschichteschüler
bei Georg Schmidt. Die anschliessende Phase der Arbeitslosigkeit während der
Wirtschaftskrise der 30er Jahre nutzt er mit Malen. Dann setzt er die
künstlerische Ausbildung an der Gewerbeschule kombiniert in der Grafik- und in
der Malklasse fort. Die Ausbildungszeiten sind kurz, denn gleichzeitig ist er
Aktivdienstler bei der Flab. In dieser Zeit fällt auch seine Heirat mit Lotti
Arnold, seiner lebenslangen Partnerin, die er seit der frühsten Jugendzeit
kennt. Sie haben zusammen eine Tochter. Nach
der Arbeit in mehreren Druckereien wird er für zwei Jahre Akzidenzsetzer,
Grafiker und Linolschneider bei der BDV (Basler Druck- und
Verlagsanstalt). 1945 wird Heiri Strub selbständiger Grafiker. Er stellt
Plakate, Reklamen und Grafikern her. Zehn Arbeiten werden vom Basler
Kunstkredit angekauft. Die Hauptarbeit sind Buchillustrationen und
Kinderbücher, auch mit eigenem Text. Im Atelier «nase» entstehen
Fasnachtslarven und Texte und Illustrationen finden Eingang in die
Fasnachtszeitung «Schorsch Gaggo». Für den Basler Zoo werden 28
Tierlithos vollendet. Die Existenz ist mehr als unsicher. Wie so oft ist
auch hier der weibliche Part, Lotti Stub-Arnold, das stabilisierende und
stützende Element der Beziehung. Sie sorgt in wirtschaftlich schwierigen
Zeiten immer zuverlässig für Haushaltgeld – als Konsumverkäuferin,
Kinderhortnerin, Handelsreisende mit Strub-Grafiken, Krankenpflegerin,
Buchantiquarin, Kellnerin und zuletzt während 10 Jahren als Telefonistin
und Bürokraft für alles im Basler Kunstmuseum.
In
den 50er Jahren, der Epoche des Kalten Krieges, wird sein politisches
Engagement zunehmend schädlich für das berufliche Fortkommen: Heiri
Strub bekommt allmählich immer weniger Aufträge. Wenigstens der Spur
nach wird das borniert-paranoide politische Klima deutlich, das damals
geherrscht haben muss, wenn man Strubs Antwort auf die spätere
Interviewfrage hört, warum er 1957 in die Deutsche Demokratische Republik
ausgewandert sei:
«Weil
ich ... hier kein Brot mehr hatte. Aus meinen Fichen ... wissen wir, dass
die Bundespolizei, weil ich nichts Ungesetzliches tat, versuchte, uns
wirtschaftlich fertig zu machen, indem sie mich bei meinen ... möglichen
Auftraggebern anschwärzte... Als Andenken blieben uns zehn Kilo Fichen,
etwa 1'700 Blätter: die schlechteste und teuerste Literatur, die in der
Schweiz je geschrieben worden ist.»
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Ist
Heiri Strub ob dieser enttäuschenden Erfahrung verbittert geworden? – Nein,
im Gegenteil! Zwar ist in seinen jüngsten Werken überhaupt nichts von
«Altersmilde» oder gar von übertünchender Harmonie zu spüren, aber der
Wille zu einer versöhnenden Geste ist unverkennbar. So jedenfalls kann man das
Motiv zu einem originellen Bild («Durst und Vernunft») lesen, das Ritter
Georg, sein Pferd und den Drachen gemeinsam am Pisoni-Brunnen trinkend
darstellt, oder jenes Werk («Vivace»), das gemeinsam leidenschaftlich
Musizierende zeigt, die offensichtlich aus unterschiedlichen Kulturen, sozialen
Schichten und Altersklassen stammen. Die Vision einer sich versöhnenden Welt
wird als grundsätzlich realisierbar dargestellt – freilich ohne zu
übersehen, dass die Chancen dazu vertan werden könnten. Im Bild «Alles nicht
so einfach» sieht man z.B. Krokodil und Nilpferd, die sich einander anblicken
und sich weiter nichts zu sagen haben, obwohl sie wie selbstverständlich im
gemeinsamen Gewässer stehen. Auch im Bild «Pariser Sonntagmorgen» ist eine
Situation in einem Bistro auf die Leinwand gebannt, in der Kommunikation nicht
wirklich gelingt. Das Bild «Sunntigssenne» schliesslich zeigt Jodler und eine
Jodlerin – fernab von jeder idyllisierenden Folklore – , die alle verkniffen
für sich alleine zu singen scheinen, anstatt ein Lied wirklich gemeinsam
anzustimmen.
Trotz
dieser gemässigt skeptisch-optimistischen Zukunftssicht hat sich Heiri
Strub bis heute nie modeorientiert oder opportunistisch gezeigt. Weder ist
er je der epigonalen Abstraktheit der Postmoderne nachgelaufen, noch hat
er je aufgehört, die Ungerechtigkeiten und Widersprüche der neoliberal
geprägten Welt zu versinnbildlichen. Beispielhaft seien folgende Werke
genannt: «Im Absolutismus der Gnome» und «Was ist ein Mensch gegen eine
Aktie?» Diese Bilder sind lange Zeit nach der Rückkehr aus der DDR 1971
entstanden. Politisch betätigte er sich dort nicht. Die Ostberliner Zeit
war aber vorab künstlerisch fruchtbar. So schuf Heiri Strub
Illustrationen zu Kinderbüchern, kreierte zusammen mit einem Fotografen
Fotomontagen und gestaltete für die Theater Potsdam und Magdeburg auch
Larven zu Brecht und Aristophanes, sowie Bühnenausstattungen,
Kostümentwürfe, Plakate (für Volkskunstensembles und für die
Babelsberger Filmhochschule), und gestaltete 10 grosse
Fotomontage-Ausstellungen von John Heartfield (u.a. auch im Gewerbemuseum
Basel).
Nach
seiner Rückkehr in die Schweiz betätigt sich Heiri Strub als politisch
engagierter Redaktor beim «Vorwärts». Ab 1981 wird das Malen endgültig
zur Haupttätigkeit. Er ist dabei stets ein politisch interessierter,
gegen den Mainstream schwimmender Künstler geblieben, der sich aber zu
keiner Zeit hat «ideologisch» vereinnahmen lassen. D.h., die Kunst ist
niemals zum blossen Mittel herabgesunken, um die «korrekte Gesinnung» zu
propagieren. Vielmehr bilden die künstlerische Tätigkeit und das
politische Engagement eine konkrete, organische Einheit im alltäglichen
Leben. Kennzeichnend bleibt auch eine gewisse bauernschlaue, anti-elitäre
Grundhaltung. Doch ist der Respekt für das einfache Leben keine
Attitüde, mündet nicht in Albert-Anker-Verklärungen und nostalgischen
Beschwörungen der guten alten Zeit, sondern äussert sich in
Darstellungen realer Widersprüche und Spannungen der heutigen Zeit, die
die Menschen wirklich (be-) treffen und die deshalb auch von den sog.
«einfachen Leuten» unmittelbar verstanden werden. Doch soll der
Kunstgenuss dabei nie auf der Strecke bleiben. Dafür sorgt allein schon
Heiri Strubs ganz eigene Art des Witzes und der Ironie.
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