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Hans Schwendener (28.1.1947)
 

Hans Schwendener ist 1947 in Buchs (SG) geboren. Er besucht von 1970 bis 73 die Kunstgewerbeschule in Zürich, ist 1974 Assistent bei Joseph Wyss (Steinbildhauer) in Zürich, und von 1975 bis 91 Theaterplastiker am Schauspielhaus Zürich.

Seit 1999 lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in Genua.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hans Schwendener - Der stille Kommunikator

Oft, wenn ich den Schweizer Maler und Skulpteur Hans Schwendener im centro storico der Ligurischen Hafenstadt Genua traf, stellte ich mir die Frage, ob er die Stadt oder die Stadt ihn gefunden hat.

Diese lebhafte Kaufmannsstadt, ehemals mächtige Konkurrentin von Venedig und Pisa, in welcher heute Glanz und Elend zwei, zwar unfreiwillige, aber untrennbar verbundene Eckpfeiler dieser Stadt darstellen. Dieses pulsierende Zentrum, durchzogen von babylonischen Sprachengewirr, gefärbt von den bunten Marktständen afrikanischer Immigranten, nicht mehr ganz taufrischen Prostituierten, sich offenbar heimisch fühlenden Ratten, welche im Verbund der Grossfamilie am helllichten Tage das Geschehen beleben, teils unerträglichen Uringestank in den schmalen Seitengassen,

Und zwischen diesen Polen, mitten im Zentrum, lebt und arbeitet Hans Schwendener, welcher auf seiner Suche nach dem «"wo» ein unmissverständliches «hier» empfand, als er diese Stadt kennenlernte.

Sein Atelier, eine kleine Gruppe um den Österreicher Michael Blume, hier als Michele Fiore bekannt, Galerist, Künstler, Lebenskünstler und enger Freund von Hans Schwendener, gibt ihm den emotionalen Halt im Haltlosen.

Der Künstler Schwendener ist keiner, welchem man im Gespräch schnell näherkommt, keiner von denen, welche sich ungefragt selbst beschreiben. Zu jener Zeit, als der Künstler die Stadt, als die Stadt diesen Künstler fand, arbeitete er an Skulpturen. Seine Begründung, weshalb er sich nach kurzen, intensiven Phase trotz erfolgreicher Ausstellungen und breitem Zuspruch für seine Werke wieder der Maler- und Zeichnerei zuwandte, erscheint mir typisch für den Mensch Schwendener. Mit «Skulpturen seien zu sperrig, ihr Transport zu umständlich» verlagert er seine Entwicklung auf eine praktische, rationelle Ebene. Seine Bilder erzählen eine andere, emotionalere Geschichte. Die Geschichte eines Künstlers, den seine Umwelt berührt und interessiert und der vielleicht gerade deshalb zum bildnerischen Ausdruck zurückfand. Ein «zurück-finden», welches zu überzeugen, zu faszinieren und zu fesseln vermag.

Mich berühren seine Arbeiten tief, da sie Zeugnis einer unstillbaren Neugier, welche geradezu sezierend in sein beobachtetes Objekt eindringt ohne jemals aufdringlich oder gar blossstellend zu wirken . Oft sitzt er stundenlang im Laubengang Sottoripa, welcher den alten Hafen begrenzt und skizziert. Aus der vorbeischlendernden Masse destilliert er mit schnellen, sicheren Strichen Gesichter, Umrisse, Silhouetten von Individuen; die sich in seinem Atelier zu prachtvollen Charakter- und Milieustudien in Acryl oder Kohle verwandeln.

Die Arbeiten dieses stillen Kommunikators lassen durchgehend seine Anteilnahme, sein aufrichtiges Interesse und seine tiefe Sympathie für die Menschen, welche das multikulturelle Biotop dieser Stadt ergeben, erkennen. Von den Gemälden Schwendeners blicken uns suchende, verzweifelte und gescheiterte Menschen an, denen eines gemeinsam ist: er lässt ihnen oder gibt ihnen eine Aura der Würde, seine Anteilnahme ist geprägt von einer Grundhaltung, welche in diesen fast menschenfeindlichen Häuserschluchten mit ihren oftmals dunklen, engen Wohnhöhlen die Humanität, das Individuum in den Vordergrund rücken.

Sie haben sich bedingt, sie haben sich gefunden und sie leben in einer schwierigen aber äusserst fruchtbaren Symbiose, die italienische Hafenstadt Genova und der Schweizer Künstler Hans Schwendener. Das Ergebnis erfreulich und äusserst überzeugend.

Text: Manfred Maier, Genua und Wien www.prete.at

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