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Graphik von Sr.
Raphaela
Kunstbuch
erhältlich

«Hymne
an die Nacht», 2001
Öl, Sand auf Leinwand
120 x 130 cm

«Sommerfrau im Denkmal
Park», 2001
Öl, Sand auf Leinwand
90 x 120 cm
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Sr.
Maria Raphaela Bürgi (*1923)
Motivationssuche
Die 1923 geborene Elisabeth Bürgi besitzt
ein jugendlich-lebhaftes Wesen. Im Gegensatz dazu könnte altertümlich
wirken, wenn man in ihrer Atelier-Wohnung weder Fernseher, noch Computer,
noch Handy entdeckt. Das kleine Radio wird höchst selten eingestellt, und
das Telefon hat noch keinen Anrufbeantworter. Doch Vorsicht vor zu schnell
bestätigten Vorurteilen! Diese vor Energie sprühende, mit hellwachem
Geist gesegnete Frau stand und steht mit beiden Füssen im Leben. Den
Medienkonsum hat sie auf konzentriertes Zeitunglesen eingeschränkt, weil
sie erkannt hat, dass die meiste mit Medien verbrauchte Zeit doch nur der
Ablenkung und Zerstreuung dient. Sich auf das Wesentliche im Leben zu
konzentrieren, sich immer wieder auf die eigene Existenz zu besinnen, also
zu «meditieren», braucht nicht nur keine «Medien», es braucht immer
wieder die Einsamkeit – ohne sich je einsam zu fühlen. Im Gegenteil,
die Meditation schafft erst die Bedingung für die Möglichkeit, das Ziel
zu erreichen, sich mit der Schöpfung innig verbunden zu wissen. Darin
kommt der religiöse Grundimpuls zu seinem künstlerischen Ausdruck, und
so gesehen ist das kreative Schaffen ein Weg für Sr. Raphaela, um in
innere Tiefe zu gelangen. Die immer wieder gesuchte Weltabgeschiedenheit
ist somit kein Vehikel der illusionären «Weltflucht», sondern ein
Mittel, eine Gegenwelt zu schaffen, die von einer tiefer gründigen
Realität zeugt. Die in der Meditation errungene zunehmende geistige
Freiheit hat dabei stets die künstlerische Freiheit befruchtet – und
umgekehrt.
Im erstaunlich vielfältigen Werk ist dies
klar dokumentiert. Zugleich ist die «Frei-Zeit», die seit der
«Pensionierung» zum Glück reichlicher bemessen zur Verfügung steht,
die notwendige Basis, dass die ungewöhnliche Arbeitsdisziplin sich
künstlerisch auch wirklich entfalten kann. Nicht verwunderlich also, hat
sich eine stille «kreative Explosion» seit dem Rückzug aus dem
Berufsleben ereignet – ganz im Sinne von Hannah Arendts Ideal der «Vita
contemplativa»!
Biographienotizen
Elisabeth
Bürgi hat seit frühester Jugend gerne gezeichnet und gemalt. Ihr erstes,
bewusst als Werk gestaltetes Ölbild vollendet sie mit 13 Jahren. In einem
Blauringlager wird ihr Talent durch die Oltener Künstlerin Alma Lätt entdeckt
und unterstützt.
Mit 16 tritt sie in die Kunstgewerbeschule Basel ein. Ohne die
entscheidende Förderung durch ihren Vater wäre das damals nicht möglich
gewesen, zumal die kinderreiche Familie in bescheidenen Verhältnissen zurecht
kommen musste. Die Mutter war schon früh gestorben, der Vater brachte es erst
in späteren Jahren bis zum Poststellenleiter.
Nach einem Jahr allerdings bricht
die Jugendliche den Vorkurs der Kunstgewerbeschule enttäuscht ab. Sie beginnt eine Verkäuferinnen-
und Kunstgewerbelehre in einem Handarbeitsatelier, besucht gleichzeitig an zwei
Tagen pro Woche die Textilfachklasse der Kunstgewerbeschule
Basel. Daneben lässt sie sich in zahlreichen Abendkursen in weiteren
kunsthandwerklichen Sparten zusätzlich ausbilden.
Nach ihrer doppelten
Diplomierung erhält Elisabeth Bürgi – dank der Vermittlung durch Alma Lätt
– eine Anstellung bei der Basler Behindertenwerkstatt «Webstube». Ihr
soziales Engagement wird so auch in berufliche Bahnen gelenkt.1946 tritt sie dem
Orden der Schwestern von Ingenbohl bei und wird 1950 zur Schwester ordiniert.
Auf die Frage, was diese Entscheidung bestimmte, entgegnet sie, das möchte sie
nicht sagen, weil es eine sehr persönliche Angelegenheit sei. Sogleich ergänzt
sie freimütig und mit einem Lächeln, «eine unglückliche Liebe zu einem Mann
ist es aber nicht gewesen!» – Bald nach Eintritt ins Kloster wird ihre
künstlerische Neigung entdeckt und entschlossen weiter gefördert. Sr. Raphaela
erhält die Gelegenheit, sich an der Kunstgewerbeschule Basel zur
Zeichenlehrerin ausbilden zu lassen.
Konsequenterweise ist ihre berufliche
Hauptbeschäftigung ab 1953 die Unterrichtstätigkeit an der Mittelschule Theresianum, Ingenbohl. Daneben bekommt sie von der ihr wohlgesinnten Leiterin
schon bald regelmässig Aufträge zu sakral-künstlerischen Arbeiten. Ihre
kunsthandwerklichen Techniken perfektioniert sie dabei auf verschiedensten
Gebieten, wie zum Beispiel in der Glasmalerei. Ihr berufliches Leben als
Pädagogin in den musischen Fächern sei wohl – so ihr rückblickendes Fazit
– gelungen. Mit manchen ehemaligen Schülerinnen steht sie immer noch im regen
freundschaftlichen Kontakt.
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Werkbeschreibung
Ihre
Bilder wollen ausdrücklich keine Abbilder der Natur sein. Es sind klar
durchkomponierte Werke. Entstehende malerische Zufälligkeiten werden als
Zu-Fall wahrgenommen und integriert. Zufälle resultieren aus inneren Impulsen.
So entsteht eine Ganzheit aus bewusstem Gestalten, verbunden mit unbewussten
Anteilen und Assoziationen. Sie entwickelt dabei einen eigenen Malrhythmus und
eine eigene Bildersprache. So zum Beispiel steht der Baum für Leben, der Vogel
für Seele und Schwerelosigkeit, der Schmetterling für Auferstehung, der Engel
als Vermittler von Dies- und Jenseits, usw..
Anlass
und Anregung zu ihren Werken geben ihr oftmals Themen des Alten und Neuen
Testaments, sowie Stoffe aus der Antike.
Sr.
Raphaela: «Der Künstler versucht die in den Seelentiefen schlummernden Bilder
durch Meditation zu wecken, ans Licht zu heben und ihnen sichtbare Gestalt zu
verleihen.»
Andeutungen ohne Erläuterung der Künstlerin sind wohl kaum
erkennbar. Dessen ist sie sich wohl bewusst. Sie sagt denn auch, dass die Bilder
für sich selber stehen und gültig sein müssen. Der geistig-künstlerische
Entstehungsprozess ist für die Betrachterin nicht mehr massgeblich. Der v.a. in
den jüngeren Werken sich manifestierende äusserst komplexe Entstehungsprozess
ist meistens gekennzeichnet durch mehrere Schaffensphasen, die eine Eigendynamik
entwickeln können, so dann vieles aus früheren Phasen wieder übermalt wird.
Ursprüngliche Intention und Endresultat stehen einander nicht mehr in einem
simplen direkten Verhältnis von «Plan» und «Ausführung» gegenüber. Da die
einzelnen Entstehungsschritte des «Spaziergangs der Seele» (Sr. Raphaela) nicht
mehr vollständig sichtbar sind, wird die exakte gedankliche Rekonstruktion zu
einem Ding der Unmöglichkeit.
Wesentlich ist aber etwas ganz anderes: Am Ende steht eine kompositorische
Einheit. Jeder und jede soll sich selber in den Bildern entdecken können, seine
eigenen Assoziationen, Gedanken und Erlebnisse haben und sich ihnen hingeben
können. Von den Schaffensphasen, in welchen das Kunstwerk entstanden ist, wird
für den Betrachter unmittelbar lebendig allein noch die Stimmung, in der sich
die Künstlerin damals befunden hat – dies aber mit aller Kraft und Macht!
In den jüngsten, äusserst kräftig farbigen Bildern sprüht es nur so von
Lebensfreude. Frühere Bilder waren dagegen geprägt von sanften, ruhigen
Pastelltönen, andere von dunkel-düsteren Farben mit bedrohlich wirkenden
Motiven. Charakteristisch für die jüngeren Bilder ist ausserdem, dass sie
scheinbar technisch weniger perfekt und rein sind als frühere Bilder.
Kompositorisch sind sie wilder und komplexer, motivisch vielschichtiger. Das
alles sind Zeugnisse der grösseren inneren Freiheit, die Sr. Raphaela in der
grösseren äusseren Freiheit nach ihrer «Pensionierung» gesucht und gefunden hat.
So dürfen wir anfügen, dass ihr Leben nicht nur als Pädagogin, sondern auch als
Künstlerin voll und ganz gelungen ist.
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