Begriffe wie niedlich, süss, kuschelig sind die ersten Reaktionen auf Stefan
Auf der Maurs Bilder. Als weitere Reaktionen gesellen sich
Kindheitserinnerungen hinzu, denn wer hatte nicht ein Plüsch-, Pelz- oder
Gummitier bei sich im Bett, um sorglos und unschuldig in den tiefen Schlaf
und in damit verbundene Träume zu fallen. Doch nur glücklich waren diese
Gefährten nicht, sie begleiteten uns auch in unserem Leid, bei Krankheiten
und Weltuntergängen. Und spätestens nach der Pubertät landeten sie in einem
Sack oder in einer Kiste auf dem Dachboden oder aber in der Mülltonne und
waren nicht nur aus den Augen, sondern eben auch aus dem Sinn.
Stefan Auf der Maur sorgt für ihre Rehabilitierung, holt sie
von den Dachböden oder von der Strasse, wo sie meist im Sperrgut landen und
malt von ihnen einzelne Portraits oder stellt sie zu Gruppen zusammen und
hält sie in Stilleben fest. Seine Ausbildung zum wissenschaftlichen
Zeich-ner unterstützt ihn dabei, denn er zeigt die Tiere und Figuren
schonungslos, in der ihnen eigenen Individualität und Physiognomik, die
oftmals wenig mit der von den Betrachtern suggerierten Niedlichkeit zu tun
hat.
Dass seine Bilder mehr sind als nur betörend, zeigt Stefan
Auf der Maur durch seinen malerischen Duktus. Einige Portraits sind in
Primamalerei ausgeführt, so dass auf dem Malgrund einzelne Pinselstriche,
Mischungen und Konturen nach wie vor sichtbar sind. Andere Bilder hat er
hingegen systematisch aufgebaut, so wie dies in der Akademiemalerei bis zu
Beginn des 20. Jahrhunderts üblich war. Er hat den Malgrund grundiert,
Farbschichten abgeschliffen und übermalt, lasiert und überarbeitet und
schliesslich mit einer Firnis überzogen, damit sie die bekannte Wirkung der
Tiefe und Konzentration erhalten.
Und dann sind nicht nur die Tiere als Portraits oder als
Stilleben zu beachten, ebenso wichtig sind die Bildvorder- und Hintergründe,
die Werke von Cy Twombly oder an die Landschaften von Courbet erinnern und
in tonigen Farben komponiert wurden. Stefan Auf der Maur bewegt sich damit
in einem Zwischenbereich, denn seine Bilder sind nicht vollkommen
gegenständlich oder abstrakt. Sie haben beide Komponenten in sich, genauso
wie auch verschiedene Aussagen in die Bilder eingeschrieben sind.
Seine Kunst hat keinen Suggestionscharakter, die den Blick
der Betrachter manipulieren will. Indem er den dargestellten Wesen aber die
volle Aufmerksamkeit schenkt und sie vor allem als individuelle
Persönlichkeiten behandelt, ernst nimmt und darstellt, schafft er es die
Gefühlsebene anzusprechen und jeden Betrachter auf seine individuelle Art zu
berühren.
Simon Baur, Basel