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Schang Hutter Hans Schwendener Finissage Samstag, 1. Dezember 2007, 15 - 17 Uhr Die Künstler sind anwesendAusstellungsdauer bis 1. Dezember 2007 Wir freuen uns auf Ihren Besuch! |
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Bilder aus dem Atelier von Schang Hutter in Genua (I) |
Atelier Hans Schwendener |
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Schang Hutter der Schweizer Künstler im Werkstattgespräch mit Manfred Maier Seit 1999 lebt und arbeitet Schang Hutter in der Altstadt von Genua. Ihn fasziniert die bunte, lebhafte, von Menschen aus allen Herren Ländern geprägte Atmosphäre der Hafenstadt. Hier hat sich Schang Hutter eine selbstgewählte Einsiedelei, eine ruhige Insel inmitten lebhaften urbanen Lebens geschaffen. Ein Atelier kann alles mögliche sein, deshalb hat Schang Hutter eine Werkstatt wo er werken kann. Bis jetzt schützten ihn, wie er dies lachend nennt, die mangelnden Sprachkenntnisse vor Ablenkung und zuviel sozialem Kontakt. Er ist still und heimlich, aber unüberhörbar, im Widerstand. Maier: Das zentrale Thema deiner Arbeit scheint GEWALT zu sein. War dies schon immer so? Hutter: (grinsend). Nein, nein, zuerst beschäftigte ich mich mit Frauen, mit Frauenakten. Aber künstlerisch wurde ich ja in Deutschland in München geprägt. Die Leute hatten den Krieg miterlebt, sprachen über ihre meist furchtbaren Erlebnisse... und dazu lehnten in jener Zeit sicherlich an die 50 Beinprothesen in der Garderobe vom Nordbad. Gewalt, die Auswirkungen von Gewalt waren unmittelbar spürbar, sichtbar. Diese Erfahrungen, welche mir als Schweizer zum Glück erspart geblieben sind, wurden durch meinen Aufenthalt in München fester Bestandteil meines Denkens und Fühlens. Und dann gab es noch dieses Foto, welches über die Befreiung der Insassen von Auschwitz berichtete. Das Foto zeigte einen ausgemergelten Mann, der auf die Befreier zukroch und starb, kurz bevor er sie erreichte. Diese Bilder liessen mich nie mehr los. Ich konnte fast gar nichts anderes mehr machen. Maier: Dein langjähriger Freund, der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder nennt dich einen der bedeutendsten Künstler Europas. Was ist das für dich... ein bedeutender Künstler? Hutter: Ohhh, das ist eine schwierige Frage. Um die zu beantworten, müsste ich mich mit anderen Künstlern auseinandersetzen. Und das mache ich nicht. Maier: ...das machst du nicht öffentlich. Hutter: Doch, doch... bei einigen schon, Freunden oder Bekannten, Menschen, die ich kenne und auch persönlich schätze, etwa wie die verstorbenen Jean Tinguely oder Dieter Roth. Deren Arbeiten schätze ich sehr, und diese Künstler haben mich auch beeinflusst. Andere, wie der Vorzeigekünstler der "Pro Helvetia" Giacometti, hat zwar Werke geschaffen, welche ich wichtig finde, aber ich habe keinen persönlichen Zugang, mir fehlt die Bindung, die Verbindung zu ihm. Ich kenne nur seine Arbeiten. Maier: A propos "Pro Helvetia", du lebst seit 1999 in Genua, dieses Jahr Kulturhauptstadt Europas, und du bist überhaupt nicht präsent. Wie kommt das? Hutter: Es interessiert mich nicht, ist mir völlig egal... und ich bin auch nicht gefragt worden. Ich arbeite für mich, es ist wichtig für mich hier arbeiten zu können. Maier: Trotzdem, du lieferst einen künstlerischen, medial stark beachteten Paukenschlag mit deiner Ausstellung in Zürich, während die durchaus breitgefassten Aktivitäten der "offiziellen Schweiz" um sich in Genua zu präsentieren... einen der bedeutendsten Künstler Europas, Schweizer und in Genua lebend, aussen vor lassen. Hutter: Ich bin gerne Schweizer, fühle mich aber keinesfalls als Schweizer Künstler. Wie erwähnt, auch wenn meine ersten Ausstellungen in der Schweiz stattfanden, künstlerisch geprägt wurde ich in Deutschland. Ich habe mich mit der Schweizer Kunstbürokratie- und sie sich mit mir - noch nie wirklich leicht getan. Eine Plastik von mir sollte vor Jahren vor dem Bundeskanzleramt in Deutschland aufgestellt werden. Dazu hat der Galerist den Schweizer Botschafter um die Übernahme der Transportkosten durch die Schweiz gebeten, der hat dies an die Schweizerische Kunstkommission weitergeleitet, welche die Anfrage abschlägig beschied: "Es würde einem Schweizer Bildhauer nicht zustehen, sich in den Holocaust einzumischen". Die Plastik wurde an der Biennale 1975 gezeigt. Maier: GeNova04 (etwa: GenuaNeu), dieses Wortspiel der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas (gemeinsam mit Lille/F) suggeriert Aufbruch, Offenheit. Spürst du etwas von Aufbruchstimmung in der Kunstszene? Hutter: Nicht ernsthaft. Nimm doch diese Ausstellung, welche Architekten an vielen Plätzen mit ihren Arbeiten in einen Kontext mit Skulpturen zu setzen versucht. Beobachte die Menschen und du wirst erkennen, dass hier viel zu intellektuell auf die BetrachterInnen zugegangen wird. Die absolute Mehrheit reagiert mit erkennbarer Ratlosigkeit auf die Arbeiten, Arbeiten welche die Menschen nicht erreichen. Und was soll das Ziel sein, wenn nicht die Menschen erreichen? Maier: Ein Ziel, welches du anscheinend spielerisch erreichst. Ich erinnere mich an eine Frau, welche beim Anblick deiner Exponate für die Zürcher Ausstellung in deinem Atelier spontan in Tränen ausbrach. Erlebst du derartige Reaktionen öfter? Hutter: Nein, so unmittelbar eher nicht. Dies läuft versteckter, oft auch auf einer politischen Ebene. So hat zum Beispiel die rechte Partei der Schweiz (die ehemalige Freiheitspartei/Red.) einmal dafür gesorgt, dass meine vor dem Bundeshaus aufgestellte Plastik abgebaut und an einen anderen Platz gebracht wurde. In Zürich fanden die üblichen Schmierereien statt. Auch wenn es dazu natürlich keine Beweise gibt, ist fraglos klar, aus welcher Ecke diese Aktionen kommen. Mit der Zeit wurde der Abstand zum Thema natürlich etwas grösser, der Umgang mit dem Thema selbstverständlicher. Doch bis heute erlebe ich als Reaktion vor allem einen politischen Effekt. Ich arbeite weil ich will, weil ich das machen muss, einfach für mich. Maier: Bist du in dieser Gesellschaft privilegiert als Künstler? Hutter: Natürlich bin ich privilegiert. Dies ist ein Umstand, aus welchem mir auch eine Verpflichtung erwächst. Der Privilegierte, der Starke ist verpflichtet, den Schwachen zu helfen. Maier: Keine Frage von sein oder haben? Hutter: (lachend). Nein, nein, abgesehen davon, dass ich nicht viel habe, kann man durchaus gleichzeitig sein und haben. Dieses Haben, diese Stärke darf ich allerdings im Gespräch mit Menschen, welchen ich helfe, so nicht zeigen. Sonst ergibt sich niemals ein Gespräch auf gleicher Ebene. Und nur ein solches vermag zu wirken. Maier: Ist Neugierde eine Eigenschaft, welche einen Teil deines Wesens gut beschreibt? Hutter: Leider komme ich nicht sehr viel zum Lesen. Für Schriftsteller, und hier vor allem österreichische wie Thomas Bernhard, habe ich ein Faible. Ich war sogar einmal in Gmunden, leider erst nach Bernhards Tod, um die Schauplätze seiner Erzählungen zu besuchen. Es war mir nicht vergönnt, ihn persönlich kennenzulernen. Der vielleicht letzte echte Kaffeehausliterat, Artmann, kam einmal mit Peter Bichsel in meinem (damals noch) Solothurner Atelier vorbei. Da war dann etwas angesagt, was ich (lacht) heute ja aufgegeben habe. Trinken, ordentlich trinken. Und jetzt muss ich unbedingt einmal etwas von Elfriede Jelinek lesen. Diese Schriftstellerin scheint mit ihren Mitteln in der Tradition eines Bernhard zu sein. Ja, meine Neugierde habe ich mir bewahrt. Maier: Dein Freund, der deutsche Kanzler Gerhard Schröder, umgibt sich gerne mit Künstlern. Weshalb macht er das? Hutter: Schröder ist ein linker Politiker. Künstler pflegen meist mit den politisch Linken einen regen Gedankenaustausch. Diese Politiker sind vorwärtsgewandt, suchen Lösungen; während die konservativen eher rückwärts schauen, bewahren wollen. Eine solche Haltung ergibt keinen Austausch, bringt gar nichts. Maier: Hört der Politiker dem Künstler ernsthaft zu? Hutter: Schröder ja. Er ist durch und durch von humanitären und sozialem Gedankengut geprägt. Nimm seine Haltung zum Irakkrieg. Ich bin der festen Ansicht, er hat sich gegen den Krieg gestellt, weil er der Überzeugung war, dieser Krieg sei falsch und nicht, weil dieses nein zum Krieg seine Wahlchancen vergrössere. Sicher, dies war so; aber zuerst stand seine Überzeugung, welche er ohne Kalkül äusserte. Maier: Kann die Kunst, kannst du als Künstler etwas bewirken? Hutter: Nein, aber dies bedeutet nicht, dass wir es nicht trotzdem versuchen müssen. Wir müssen, müssen die Stimme leise erheben... das Gemetzel, die ganze Gewalt; ich befürchte, dies wird niemals ein Ende haben... ein Ende, an welches ich am Anfang meiner Arbeit noch glaubte. Denn am Anfang war es für mich mehr Aufarbeitung, mehr verarbeiten, mahnen. Und jetzt, heute... ist das Thema Gewalt aktuell wie eh und je, vielleicht sogar aktueller denn je. Aber nochmals... auch wenn wir nichts verändern können, bin ich der Überzeugung, dass wir mahnen müssen, aufzeigen, die Stimme erheben gegen den Wahnsinn Gewalt, gegen soziale Verrohung, gegen einen Kapitalismus, welcher den Menschen entmenschlicht. Maier: Kämpfst du, äusserst du dich öffentlich zu dem Thema? Hutter: (schmunzelnd). Ja, ja ... hier fehlt mir zwar die Sprache. Aber ich bin, still und heimlich aber unüberhörbar... im Widerstand.
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Hans Schwendener - Der stille Kommunikator Oft, wenn ich den Schweizer Maler und Skulpteur Hans Schwendener im centro storico der Ligurischen Hafenstadt Genua traf, stellte ich mir die Frage, ob er die Stadt oder die Stadt ihn gefunden hat. Diese lebhafte Kaufmannsstadt, ehemals mächtige Konkurrentin von Venedig und Pisa, in welcher heute Glanz und Elend zwei, zwar unfreiwillige, aber untrennbar verbundene Eckpfeiler dieser Stadt darstellen. Dieses pulsierende Zentrum, durchzogen von babylonischen Sprachengewirr, gefärbt von den bunten Marktständen afrikanischer Immigranten, nicht mehr ganz taufrischen Prostituierten, sich offenbar heimisch fühlenden Ratten, welche im Verbund der Grossfamilie am hellichten Tage das Geschehen beleben, teils unerträglichen Uringestank in den schmalen Seitengassen, Und zwischen diesen Polen, mitten im Zentrum, lebt und arbeitet Hans Schwendener, welcher auf seiner Suche nach dem «"wo» ein unmissverständliches «hier» empfand, als er diese Stadt kennenlernte. Sein Atelier, eine kleine Gruppe um den Österreicher Michael Blume, hier als Michele Fiore bekannt, Galerist, Künstler, Lebenskünstler und enger Freund von Hans Schwendener, gibt ihm den emotionalen Halt im Haltlosen. Der Künstler Schwendener ist keiner, welchem man im Gespräch schnell näherkommt, keiner von denen, welche sich ungefragt selbst beschreiben. Zu jener Zeit, als der Künstler die Stadt, als die Stadt diesen Künstler fand, arbeitete er an Skulpturen. Seine Begründung, weshalb er sich nach kurzen, intensiven Phase trotz erfolgreicher Ausstellungen und breitem Zuspruch für seine Werke wieder der Maler- und Zeichnerei zuwandte, erscheint mir typisch für den Mensch Schwendener. Mit «Skulpturen seien zu sperrig, ihr Transport zu umständlich» verlagert er seine Entwicklung auf eine praktische, rationelle Ebene. Seine Bilder erzählen eine andere, emotionalere Geschichte. Die Geschichte eines Künstlers, den seine Umwelt berührt und interessiert und der vielleicht gerade deshalb zum bildnerischen Ausdruck zurückfand. Ein «zurück-finden», welches zu überzeugen, zu faszinieren und zu fesseln vermag. Mich berühren seine Arbeiten tief, da sie Zeugnis einer unstillbaren Neugier, welche geradezu sezierend in sein beobachtetes Objekt eindringt ohne jemals aufdringlich oder gar blossstellend zu wirken . Oft sitzt er stundenlang im Laubengang Sottoripa, welcher den alten Hafen begrenzt und skizziert. Aus der vorbeischlendernden Masse destilliert er mit schnellen, sicheren Strichen Gesichter, Umrisse, Silhouetten von Individuen; die sich in seinem Atelier zu prachtvollen Charakter- und Milieustudien in Acryl oder Kohle verwandeln. Die Arbeiten dieses stillen Kommunikators lassen durchgehend seine Anteilnahme, sein aufrichtiges Interesse und seine tiefe Symphatie für die Menschen, welche das multikulturelle Biotop dieser Stadt ergeben, erkennen. Von den Gemälden Schwendeners blicken uns suchende, verzweifelte und gescheiterte Menschen an, denen eines gemeinsam ist: er lässt ihnen oder gibt ihnen eine Aura der Würde, seine Anteilnahme ist geprägt von einer Grundhaltung, welche in diesen fast menschenfeindlichen Häuserschluchten mit ihren oftmals dunklen, engen Wohnhöhlen die Humanität, das Individuum in den Vordergrund rücken. Sie haben sich bedingt, sie haben sich gefunden und sie leben in einer schwierigen aber äusserst fruchtbaren Symbiose, die italienische Hafenstadt Genova und der Schweizer Künstler Hans Schwendener. Das Ergebnis erfreulich und äusserst überzeugend. |
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Beide Text von Manfred Maier, Genua und Wien
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